Musikkonsum

Wenn ich behaupte, dass das Selber-Musizieren Formen von Glück und Erfüllung hervorbringen kann, die dem Menschen sonst auf keine andere Weise zugänglich sind, dann dürfte das für die meisten Menschen eine ziemlich leere Behauptung ohne die geringste Bedeutung sein. Ich persönlich glaube, dass es kaum noch Menschen gibt, die dieses Glück kennen. Denn auch die klassische Vorgehensweise des "üben, üben, üben" beim Erlernen eines Instrumentes kennt dieses Glück eigentlich nicht - genauso wenig wie die Musikproduktion.

Es ist aber dieses Glück der eigentliche Sinn von Musik. Es ist dieses Glück das eigentliche Geschenk, welches dem Menschen mit der Musik gegeben wurde. Da der Mensch diese Gabe aber schon lange vor der Musikproduktion zu verlieren begann, kennt es heute kaum noch jemand.

Die meisten Menschen kennen heute nur noch den Effekt, dass Musik aus dem Radio dazu führt, dass sie sich besser fühlen. Die produzierte Musik aus dem Radio macht ein kleines bisschen glücklicher, als man ohne sie wäre.

Es ist dieses kleine Glück der klägliche Rest, der von dem ganz großen Glück des Musizierens noch übrig ist.

Ich möchte jetzt folgende Behauptung aufstellen:

Musik animiert den Menschen grundsätzlich zum Mitmachen - zum aktiven Selber-Musizieren.

Wenn Menschen Musik hören, dann ist es ein ganz natürlicher Impuls mitzumachen, nachzumachen oder eigene musikalische Ideen umzusetzen.

Menschen nehmen diesen Impuls aber nicht wahr, weil die Begrenzungen in ihrem Kopf ihnen einreden, sie wären keine Musiker.

Musiker sind nur die Stars und ein paar wenige Amateure, die krampfhaft an etwas festhalten, das langsam aber sicher untergeht.

Aber das ist der größte Blödsinn, den man sich vorstellen kann.

Aktives Musizieren ist ein ganz normaler und selbstverständlicher Teil eines Menschenlebens - und zwar JEDES Menschenlebens.

Dass die meisten Menschen heutzutage etwas anderes glauben, liegt genau an den falschen Idealen, welche Musikproduktion hervorgebracht hat.

Wenn Menschen Musik hören, dann löst diese Musik Freude in ihnen aus und gleichzeitig den Impuls, sich aktiv zu beteiligen. Aber dieser Impuls zur aktiven Beteiligung wird unterdrückt oder erfährt eine Enttäuschung.

Dass die meisten Menschen das so nicht wahrnehmen, liegt an ihrem Weltbild: "Ich bin eben kein Musiker. Ich habe kein musikalisches Talent."

Und wenn schon. Musizieren ist auch ohne Talent geil. Was stört sind die viel zu eng begrenzten Vorstellungen, wie "gute Musik" zu klingen hat.

Aber gute Musik wird nicht dadurch gut, dass sie so gut klingt, sondern dadurch, dass es so viel Spaß macht, sie zu machen.

Das ist genau der Punkt, an dem die Menschheit sich total verlaufen hat.

nächstes Kapitel: Formen von Befriedigung
Bitte unterstützen Sie das Projekt, wenn Sie von diesen Informationen profitieren konnten: